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LAND, STADT, FRAGMENT

Kirchheim unter Druck

 

ein Landschaftsradierungsraumgriff, kuratiert von Florian van het Hekke, Architekt

 

12.10. - 23.11.2014

 

Eröffnung  Sonntag, 12.10.2014 um 18 Uhr

 

Einführung   Prof. Eberhard Holder im Gespräch mit Anja Klafki

 

 

STÄDTISCHE GALERIE KORNHAUS

Max-Eyth-Str. 19

73230 KIRCHHEIM UNTER TECK

 

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Die Verräumlichung von Zeit

„Die Besteigung der Teck“ frei nach Francesco Petrarca, ist ein Hörspiel, das die Künstlerin Anja Klafki 2014 produziert hat. Im äußeren Arkadenbereich der [Städtischen Galerie im Kornhaus in Kirchheim unter Teck] (…) kann man den fiktiven Bericht des italienischen Kartografen, Natur und Religionsphilosophen des Spätmittelalters in schwäbischer Mundart hören. Von dieser Klanginstallation wird die Aufmerksamkeit des Besuchers durch rechteckige Öffnungen in der opaken Folie, mit der die Schaufensterscheiben zugeklebt sind, in den Ausstellungsraum geleitet.
Hier erwartet ihn ein eindrucksvolles Panorama aus zwölf großen pastellfarbigen Druckfahnen, die in einem Halbkreis gestaffelt im Raum hängen und einen imaginären Rundblick über die Landschaft rund um die Teck vermitteln. Ihr Charakter als künstlerische Einzelwerke ist nicht nur durch das dicke, handgeschöpfte Büttenpapier erkennbar. Auch sechs der verwendeten Druckplatten aus Kunststoff, denen man noch die Spuren der abgedruckten Motive ansieht, hängen wie eine transparente Raumfolie zwischen den Schaufenstern und dem installierten Panorama. Auf kleinen transparenten Druckplatten hinter den Durchblicken der Schaufenster (…) eingearbeitet sind (…) historische Stiche erkennbar, die das Motiv der Teck in Darstellungen vergangener Jahrhunderte zeigen. (…)

(…) Anja Klafkis zeitgenössischer Blick auf die [Landschaft um Kirchheim unter Teck] (...) wird in seiner Historie als künstlerisches Thema im Ausstellungsraum gleichzeitig verortet, kontextualisiert und relativiert.
Vor allem in Deutschland ist der Blick auf die Landschaft von den ersten Aquarellen Albrecht Dürers, den Gemälden der Romantiker bishin zu den „schuldigen Landschaften“ eines Anselm Kiefer ein kultur- und naturphilosophisches Genre, das über die Darstellungsweisen hinaus von starker emotionaler Bewegung geprägt war. Von einer solchen Überhöhung oder gar Dramatisierung des Naturverlustes (…) grenzt sich Anja Klafki jedoch eher ab. (...) Ihr geht es eher darum, das heutige, [infrastrukturell] (…) geprägte Landschaftsbild in seinen Brüchen darzustellen. Diese Brüche finden ganz direkt Ausdruck in den Graten und Kanten, die ihre Druckplatten im Papier hinterlassen, dem übergangslosen Aneinandersetzen unterschiedlichster Flächen oder der Überlagerung mit grafischen Strukturen, die sich teilweise mit Techniken des Tiefdrucks, teilweise auch mit  ganz eigenen freien Setzungen mehrerer , individuell geformter Druckplatten aus unterschiedlichen Materialien erzeugt. Dadurch erinnert ihre Arbeitsweise an das Prinzip der digitalen Bildbearbeitung, in der verschieden transparente Schichten übereinandergelegt werden und durch Überlagerung eine neue, differenzierte und räumlich dynamische Bildwirkung erzielen.(...)

(…) Diese Kombinationen machen einen Teil der Vielschichtigkeit dieser Rauminstallation aus: Der Besucher kann (…) die Vermischung epochenspezifischer Sehweisen und Darstellungen der Landschaft beim Herumgehen im Ausstellungsraum als eine Veräumlichung von Zeit wahrnehmen. (…)

 

Auszüge aus dem Artikel von Kai Bauer, erschienen am 14.10.2015 in "Der Teckbote", Kirchheim unter Teck