Katalog
ANJA KLAFKI LANDESCAPE
gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
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Eröffnungsrede von Clemens Ottnad anlässlich der Ausstellung GEZEITEN im TTR Tübingen-Reutlingen im Herbst 2022
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Eröffnungsrede von Dr. Günter Baumann anlässlich der Ausstellung VOYAGER im Kunstverein Böblingen im Frühjahr 2020
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(...) Wer Klafki bei der Herstellung ihrer Druckplatten zusieht, erlebt eine Bildhauerin bei der Arbeit: Mit manchmal erheblichem Körpereinsatz entfernt sie Material, in der fertigen Radierung hinterlässt diese skulpturale Arbeit Spuren: Die Plattenränder erzeugen im Papier eine Prägung, die sich deutlich wahrnehmbar aus der Fläche des Papiers abhebt.
Die Bildfindung ist Teil dieses Arbeitsprozesses. Erst an seinem Ende steht die Komposition fest – und ist, wie (...) man am Seriencharakter vieler Arbeiten erkennen (...) kann, keineswegs in Stein gemeißelt. Aber auch innerhalb einer Arbeit kommt der Prozess der Bildfindung nicht zum Abschluss: Aus der Komposition aus farbigen und weißen Flächen, Linien und Kurven eine Landschaft zu assoziieren – das ist die Arbeit der Betrachter. Denn die Landschaften, die wir in Anja Klafkis Radierungen sehen, die gibt es nur in unserem Kopf.
Klafkis Radierung stehen damit in der Tradition der klassischen Moderne, in der die ästhetische Wahrnehmung selbst, ihre Voraussetzungen und ihr konstruktiven, synthetisierenden Verfahren in Szene gesetzt und so analysiert werden. In dieser dezidiert modernen, gleichzeitig analytischen und konstruktiven Haltung Klafkis liegt auch der unsentimentale Charakter ihrer Arbeiten begründet: Schließlich ist die Auseinandersetzung mit dem Motiv und der Gattung 'Landschaft' für eine zeitgenössische Künstlerin riskant, vor allem wenn die Ergebnisse auch in einem ganz untheoretischen Sinne so ästhetisch ansprechend und schön sind wie bei Anja Klafki. (...) Denn passt man nicht auf, landet man schnell bei nostalgisch-romantischer Verklärung der Natur oder im subjektiven Kitsch expressiver Seelenlandschaften.
Doch davon ist Klafki weit entfernt. Ihr bildnerisches Verfahren, etwas auf geometrische Elemente zu reduzieren, das wir gelernt haben als Landschaft zu verstehen, rückt sie dagegen in die Nähe dessen, was Kartographen und Landvermesser tun. (...)
Dr. Christina Dongowski, Stuttgart